Unsere Philosophie

Wer wollen wir sein?

Als neu geborener Fußballverein für Kinder und Jugendliche war und ist es uns ein besonderes Anliegen, sowohl nach außen als auch nach innen zu zeigen, wofür wir als Verein stehen möchten und werden. Die nachfolgenden 11 Grundsätze werden uns durch das alltägliche Vereinsleben leiten und dabei unser gemeinsames Selbstverständnis auf und neben dem Platz formen.

Fußballspielen ist etwas Schönes. Und das soll es auch bleiben.

Der erste Grundsatz ist zugleich der Wichtigste. Alle weiteren Prinzipien unseres Vereinsalltags dienen diesem übergeordneten Ziel und sind gleichzeitig die Folge hiervon.

Dem FC Englischer Garten ist es das oberste Anliegen, dass alle im Vereinsleben involvierten Personen sich ihrer Rolle als erwachsene Vorbilder für unsere jungen Spielerinnen und Spieler bewusst sind und sich entsprechend verhalten. Alle Trainerinnen und Trainer, Betreuungspersonen sowie auch die begleitenden Eltern geben ihr Bestes, um eine positive Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Kinder ohne Angst vor wütendem Geschrei mit viel Spielfreude ausprobieren und sich gesund entwickeln dürfen.

Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Aber nicht um jeden Preis.

Dieser Grundsatz wird typischerweise extrem schnell missverstanden. Was viele überlesen, ist der erste Satz: Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Punkt. Wir sind alle Sportler und Fußballerinnen, und als solche ist es für uns selbstverständlich, dass wir mit viel Einsatz, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen alles daran setzen möchten, um am Ende mehr Tore zu schießen als unser Gegner. Das ist Fußball und das Gewinnen-Wollen ist untrennbar mit Fußball verbunden. Gelingt uns das, feiern wir den Sieg – in respektvoller Art und Weise – gemeinsam mit unserer Mannschaft. Und gelingt uns das nicht, sind wir gemeinsam niedergeschlagen, hadern mit unserer eigenen Leistung und stehen gemeinsam wieder auf, um beim nächsten Mal erneut gewinnen zu wollen.

Leider ist manchmal zu beobachten, dass das unbedingte Streben nach dem Sieg zu etwas führen kann, was wir als sehr ungesund und gefährlich für sowohl die persönliche als auch die fußballerische Entwicklung von jungen Menschen sehen. Gefangen im ungezügelten Ehrgeiz wird teilweise davon ausgegangen, dass es die Gewinnaussichten steigern würde, wenn Trainer ihre Spieler bei fußballerischen Fehlern lautstark zurechtweisen, als hätten diese den Ball bei der Annahme extra verspringen lassen, bewusst den richtigen Moment zum Abspiel verpasst oder dem Gegner den Ball freiwillig überlassen. Die tragischen Folgen dieser Herangehensweise sind nahezu grenzenlos und können in den folgenden Grundsätzen nur angerissen werden.

Es wäre ein Fehler, keine Fehler zu machen.

An den vorhergehenden Grundsatz anschließend ist uns eines sehr wichtig: Fußballerische Fehler dürfen und sollen selbstverständlich korrigiert werden. Aber das gelingt auch ohne Entmutigung oder gar Verängstigung unserer jungen Fußballerinnen und Fußballer.

Wir möchten unsere Spieler dazu motivieren, mutigen Fußball zu spielen und beispielsweise die im Training erlernten Finten (“Tricks”) auch im Spiel einzusetzen. Unsere Kinder werden dafür gelobt und nicht etwa getadelt, wenn sie sich entschlossene Dribblings oder risikobehaftete Steilpässe zutrauen und dabei den Ball verlieren. Jegliche fußballerischen Fehler sind nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht, und sie zeigen uns, dass wir vieles im Umgang mit unseren Kindern richtig machen. Fehler in der Entscheidungsfindung gehören dabei genauso zum Lernen wie technische Fehler. Wir unterstützen die Kinder dabei, ihre Wahrnehmung und Entscheidungsqualität zu entwickeln – nicht durch harsche Kritik von oben herab, sondern durch Feedback auf Augenhöhe.

Wir möchten nicht dem verheerenden Irrtum unterliegen, dass wir Fehler um jeden Preis vermeiden und bei Fehlern mit unseren Spielern lautstark schimpfen müssten, um am Ende als Sieger vom Platz zu gehen. Denn das hätte dramatische Folgen:

  • Die jungen Spielerinnen und Spieler sind im eigenen Ballbesitz nervös und begehen dadurch mehr, und nicht etwa weniger Fehler.
  • Durch die ständige Angst vor lautstarken Rufen von der Seitenlinie verlieren unsere FußballerInnen ihren Mut, neu erlernte Fußballtechniken auch tatsächlich anzuwenden. Unabhängig davon, ob eine Finte in der jeweiligen Situation sinnvoll ist, oder ob dabei aufgrund technischer Fehler der Ball verloren geht: Es ist bereits ein riesiger Schritt in der fußballerischen Entwicklung von jungen Spielern, dass sie sich das Anwenden von Finten und mutigen Dribblings in einer Drucksituation überhaupt zutrauen. Wer Fehler zu unterdrücken versucht, hemmt diesen wichtigen Entwicklungsschritt.
  • Zusätzlich führt die durchgehend im Kopf vorhandene Angst vor Fehlern dazu, dass junge Spieler den Mut zu eigenen Entscheidungen verlieren. Wenn Trainer keine Fehler tolerieren oder durch ihre harsche Umgangsweise bei ihren Spielern einen solchen Eindruck erwecken, dann werden sich junge Fußballer lediglich zu Marionetten des Trainers entwickeln. Wir erlauben ihnen nicht, die im Fußball so wichtige Fähigkeit zur intuitiven Entscheidungsfindung zu entwickeln. Ihre Entscheidungen sind ausschließlich davon bestimmt, möglichst keine außenstehenden Erwachsenen zu verärgern. Das ist nicht nur im Hinblick auf die fußballerische Entwicklung fatal, sondern wäre auch außerhalb des Fußballs einfach nur traurig. Erinnert sei an dieser Stelle nochmals an die Einleitung in diesen Grundsatz: Auch Fehler in der Entscheidungsfindung dürfen selbstverständlich durch TrainerInnen korrigiert werden. Entscheidend ist aber, wie das geschieht.
  • Verlorener Mut ist bereits schlimm genug. Noch viel schlimmer aber ist die verlorene Spielfreude – die den Fußball im Kern ausmacht – sowie die verlorene generelle Freude daran, gemeinsam mit anderen freundlichen Menschen an der frischen Luft zu sein und Sport zu treiben. Zwar ist in größeren Städten die Nachfrage nach Jugendmannschaften bis ungefähr zur U12 typischerweise (und glücklicherweise) sehr hoch. Aber es hat einen Grund, dass diese Nachfrage in höheren Jahrgängen erheblich nachlässt und Vereine ab der D- oder C-Jugend oftmals mit vielen Vereinsaustritten und einem entsprechenden Mangel an Spielerinnen und Spielern zu kämpfen haben. Dies hat sicherlich diverse Gründe, doch wer die Spielfreude und den Spaß am Fußball bereits in jungen Jahren verliert, dürfte eher dazu geneigt sein, diesem schönen Sport zukünftig den Rücken zu kehren. Dies ist also ein weiterer Grund dafür, dass wir als Verein die Freude am Fußball erhalten wollen und alles dafür geben, dass wir uns auch in der Fehlerkorrektur jederzeit an unseren ersten Grundsatz – eine positive Grundstimmung – erinnern.
  • Einen erheblichen Einfluss auf diese grundlegende Atmosphäre haben dabei auch die Verhaltens- und Umgangsweisen der Kinder untereinander. Wenn es aber zur Identität einer einzelnen Mannschaft oder gar des Vereins gehört, dass bei Fehlern vonseiten des Trainers oder der Eltern lautstark geschrien wird, dann werden die Kinder dieses Verhalten kopieren. Ein Mitspieler, der einen entscheidenden Fehlpass spielt oder dem der Ball beim Ausprobieren einer Finte verspringt, wird nicht etwa zum Weiterspielen motiviert oder mental wieder aufgebaut. Er wird im Gegenteil von seinen Freunden – den erwachsenen Vorbildern folgend – angemeckert und damit vollends auf den Boden gedrückt. Einer solchen Stimmung innerhalb des Vereins werden wir um jeden Preis entgegensteuern. Und dafür nehmen wir auch verloren gehende Spiele in Kauf.

Neben fußballerischen Fehlern existiert in einer sozialen Gruppe selbstverständlich auch nicht-fußballspezifisches Fehlverhalten. In diesem Bereich möchten wir unseren jungen Spielerinnen und Spieler die natürlichen und altersgerechten Konsequenzen ihrer jeweiligen Verhaltensweisen aufzeigen. Auf diese Weise soll es ihnen möglich sein, ein Gefühl von Ursache und logischer Wirkung des eigenen Verhaltens zu entwickeln. Dies ist aber zu jeder Zeit gedanklich strikt zu trennen von fußballerischen Fehlern. Eine Vermischung von diesen grundlegend verschiedenen Dingen hätte die oben beschriebenen, fatalen Auswirkungen zur Folge.

Mut bedeutet, eigene Entscheidungen zu treffen.

Mutige Fußballaktionen sind ausdrücklich erwünscht und werden durch unsere Trainerinnen und Trainer durch ihr positives und immer wieder lobendes Coaching aktiv gefördert. Gleichzeitig gehört zur fußballerischen Ausbildung ab einem gewissen Alter auch die Entwicklung eines intuitiven Gefühls dafür, in welchen Situationen ein Risiko sinnvoll ist. Wir entwickeln gemeinsam Spielintelligenz, indem unsere Trainer nach Aktionen ruhig und altersgerecht erklären, warum in einer spezifischen Situation ein mutiges Dribbling oder ein mutiger oder sicherer Pass die bessere Option war. Ziel ist die Fähigkeit, kluge Entscheidungen situativ und auch unter Druck zu treffen. Die einzelne Entscheidung legen wir dabei aber bewusst “in die Füße” unserer jungen Fußballerinnen und Fußballer – denn sie stehen auf dem Platz.

Fehler in der Entscheidungsfindung sind fußballerische Fehler, sodass für sie in unserem positiven Coaching die gleichen Prinzipien gelten wie für alle sonstigen fußballerischen Fehler (Grundsatz 3). Auch hier gilt also: Fehlerkorrektur darf stattfinden, aber das gelingt ohne Entmutigung oder gar Verängstigung unserer jungen Fußballerinnen und Fußballer. Im Gegenteil ist es gerade nach Fehlern besonders wichtig, für die Spieler durch mutbringendes, positives Zurufen unterstützend da zu sein.

Es wäre ein Fehler, den Ball nicht zu verlieren.

Von der Frage, wie wir als Verein mit fußballerischen Fehlern umgehen (Grundsatz 3 & 4), ist getrennt zu betrachten, wann ein solcher Fehler überhaupt vorliegt – und wann nicht. Dem falschen Verständnis von Fußball, dass ein verlorener Ball gleichzeitig das Vorliegen eines Fehlers bedeuten muss, möchten wir uns nicht hingeben.

Hierzu ein Beispiel: Wenn das lautstarke Zurechtweisen bei fußballerischen Fehlern zur Kultur eines Vereins oder einer Mannschaft gehört, dann haben die jungen Spieler im eigenen Ballbesitz zwangsläufig Angst vor der drohenden Wut des Trainers. In Situationen, in denen beispielsweise ein offensives 1-gegen-1 oder ein Risikopass eigentlich die richtige fußballerische Entscheidung wäre, fehlt hierzu jeder Mut und der eingeschüchterte Spieler dreht sich lieber nach hinten weg und spielt einen sicheren Pass. Er oder sie möchte dabei vermeiden, einen Fehler zu machen und zurechtgewiesen zu werden – doch in Wahrheit ist genau dieser sichere Pass nach hinten der Fehler. Und ein Ballverlust im mutigen Dribbling unter Anwendung einer sinnvollen Finte wäre kein Fehler gewesen. Diese Unterscheidung von Ballverlust und Fehler ist für uns zentral und soll unseren Spielerinnen und Spielern sowohl im Training als auch in unseren Spielen durch entsprechend differenziertes Coaching immer wieder vor Augen geführt werden.

Das Ergebnis ist so viel mehr.

Ebenfalls thematisch verbunden mit dem übergeordneten Grundsatz 2 (“Drei Punkte sind nicht alles.”), führen wir uns folgende Betrachtung immer wieder vor Augen: Das Ergebnis eines Punktspiels am Wochende lautet für uns nicht “5 zu 3” oder “1 zu 7”, sondern es lautet für uns beispielsweise:

  • “Heute haben wir sehr mutig gespielt und uns getraut, neue Finten aus dem Training anzuwenden. Das war besser als letzte Woche.“
  • Oder: “Wir wollten unbedingt gewinnen und haben bis zum Schluss gekämpft. Jetzt sind wir gemeinsam traurig und am Boden, aber wir sind stolz darauf, dass wir trotzdem als Team zusammenstehen und uns nicht gegenseitig aufgrund des Spielstands niedermachen.”
  • Oder als schlechtes Ergebnis trotz Sieges: “Wir haben zwar gewonnen, aber nach dem Abpfiff waren wir pausenlos am Feiern und haben gar nicht daran gedacht, mit unseren Gegnern abzuklatschen.”

Wir möchten also unseren Blick ein wenig herauszoomen, um die ganzheitliche und langfristige Entwicklung unserer Spielerinnen und Spieler sehen zu können – sowohl fußballerisch als auch zwischenmenschlich. Wir lassen uns nicht durch den Spielstand vom richtigen Weg abbringen. Handlungsbedarf sehen wir hingegen dann, wenn das Ergebnis nicht stimmt.

 

Seit wann diskriminieren wir eigentlich aufgrund des biologischen Alters?

Für uns ist Sport und damit auch Fußball unter anderem der Wettbewerb und das gegenseitige Messen der eigenen Leistung. Diese Leistung wollen wir alle durch regelmäßiges Trainieren verbessern und investieren viel Zeit und Schweiß, um uns fußballerisch zu entwickeln und um im nächsten Wettbewerb so gut es geht abzuschneiden – sowohl im Hinblick auf den Spielstand als auch hinsichtlich des Ergebnisses (Grundsatz 6). Nach unserem Verständnis ist es aber kein Sport und kein fairer Wettbewerb, wenn am Ende nicht die eigene, hart erarbeitete Leistung über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, sondern die naturgegebene, biologische Reife der einzelnen Kinder und Jugendlichen.

Unsere Fußballerinnen und Fußballer müssen sich keine Sorgen darum machen, dass sie aufgrund ihres Geburtsdatums, ihrer Körpergröße oder ihrer sonstigen körperlichen oder muskulären Entwicklung in irgendeiner Weise benachteiligt werden. Beim Schnuppertraining fragen wir neben dem Jahrgang nicht zusätzlich nach dem genauen Geburtstag oder dem Geburtsmonat, um etwa einen möglichen “Relative Age Effect” des jeweiligen Kindes antizipieren zu können (am Anfang des Jahres Geborene sind oft körperlich weiter oder werden es im Verlaufe der Jahre mit höherer Wahrscheinlichkeit sein). Ebenso wenig werden unsere Spielerinnen und Spieler weniger Spielzeit am Wochenende erhalten, nur weil sie kleiner gewachsen sind als ihre Teamkollegen. Es gibt auf der Welt nur wenig Schlimmeres als eine Benachteiligung von Kindern aufgrund von Umständen, für die sie selbst nichts können.

Aber auch alleine im Hinblick auf die erfolgreiche Fußballausbildung unseres Nachwuchses ist es schon schädlich, von vornherein biologisch jüngere Kinder von der Möglichkeit zur fußballerischen Entwicklung auszuschließen. Verengt man hier den Blick auf die zu erwartende körperliche Stärke der Kinder in den kommenden ein bis zwei Jahren, fallen alle potentiellen Talente heraus, die sich erst später körperlich weiterentwickeln. Und unabhängig davon sind im Erwachsenen-Bereich alle Körpergrößen gleichermaßen vertreten.

Während der Ball im Ballsack liegt, ist er nicht an einem Fuß. Dabei heißt es doch Fußball?

Für uns ist im Trainingsalltag eines klar: Unsere Spielerinnen und Spieler kommen nicht auf den Fußballplatz, um etwas anderes zu tun als Fußball zu spielen. Was man bei uns daher nicht sehen wird: fußballbegeisterte Kinder, die während der wertvollen Trainingszeit Runden um den Platz laufen müssen. 

Zum Fußballspielen gehört gleichzeitig sehr vieles und auch etwas mehr als ausschließliches Trainieren in Spielformen. Beispielsweise sind gerade im jungen Alter technische Erwärmungen zum Entwickeln eines allgemeinen Ballgefühls und einer spezifischen Ballkontrolle sinnvoll, ebenso wie variantenreiche Fangspiele. Und auch die Finten, die unsere jungen Fußballer gerne anwenden dürfen und sollen, sind im koordinativen Ablauf derart anspruchsvoll, dass sie mit einer möglichst hohen Wiederholungszahl immer wieder Trainingsinhalt sein werden. Dies schult gleichzeitig die allgemeine Kopf-Fuß-Koordination – ein Bereich, für dessen Entwicklung Kinder in diesem Alter typischerweise besonders empfänglich sind. Weitergehende Koordinationsübungen können sinnvoll sein, sollten aber ebenfalls jederzeit mit dem Ball kombiniert werden (z.B. Ball während eines koordinativen Hüpfens zunächst in der Hand, dann in direktem Anschluss am Fuß). Übungen werden dabei stets mehrfach aufgebaut, um Standzeiten zu vermeiden. Der entscheidende Grundsatz lautet: Jedes Kind ist zu jeder Zeit aktiv und hat einen Ball am Fuß.

Zentraler Bestandteil unseres Trainings bleibt hierbei das Fußballspielen in möglichst kleinen Spielformen. In einem 7-gegen-7 (oder sogar 9-gegen-9) sind pro Mannschaft regelmäßig nur drei bis maximal vier Kinder aktiv beteiligt. Wir möchten aber, dass alle unsere Fußballerinnen und Fußballer eine Chance haben, aktiv mitzuspielen. Hierfür ist ein kleines Spieler-Ball-Verhältnis entscheidend, denn so hat jedes Kind automatisch eine zentrale Rolle auf dem Spielfeld. Auf diesem Wege schießt die Anzahl der Ballkontakte und Ballaktionen pro Kind massiv in die Höhe – und damit auch die Trainingsintensität, die individuellen Entwicklungschancen und nicht zuletzt der Spaß am Fußball.

Während der Ball in der Luft ist, ist er nicht an einem Fuß. Dabei heißt es doch Fußball?

Beobachtet man Mannschaften mit überdurchschnittlich vielen groß und kräftig gewachsenen Kindern (Grundsatz 7) oder mit einem offensichtlichen Fokus auf den Spielstand statt auf das individuelle Entwicklungsergebnis der Kinder (Grundsatz 6), so geht dies gelegentlich mit einem Spielstil einher, der sich sehr überspitzt wie folgt darstellen ließe: 

Ballverluste durch mutige Dribblings und trickreiche Finten (Grundsatz 5) sollen um jeden Preis vermieden werden, indem das Kind den Ball rechtzeitig so weit wie möglich nach vorne schlägt. Fehler im Passspiel, in der Ballkontrolle, bei der An- und Mitnahme des Balls, im Dribbling, im Ausprobieren von Finten sowie in der Entscheidungsfindung (Grundsatz 3 & 4) sollen um jeden Preis vermieden werden, indem das Kind den Ball rechtzeitig so weit wie möglich nach vorne schlägt. Per Zufall – und weil die erlernte Taktik darin besteht, in Erwartung des hohen und weiten Balls stumpf nach vorne zu laufen – kommt die eigene Mannschaft im Angriffsdrittel mit einer 50:50-Chance an den Ball und schießt ihn ohne weitere Fußballaktionen aus jeder Lage aufs Tor. Ziel des Ganzen sind drei weitere Punkte (Grundsatz 2) in der Online-Tabelle und unter Umständen ein entsprechender Post in Social Media. Sollte ein Kind es einmal wagen, in einer mutigen, technischen Ballaktion den Ball zu verlieren, wird es schnell laut an der Seitenlinie und von einer positiven Stimmung, Spielfreude, geschweige denn einer gesunden Entwicklung der Kinder (Grundsatz 1) kann keine Rede sein.

Was hier bewusst sehr drastisch und überspitzt dargestellt ist, beobachtet man in dieser Form zum Glück nicht regelmäßig auf den deutschen Fußballplätzen. Jeder Fußballverein, der sich (auch) im Kinder- und Jugendbereich engagiert, leistet extrem wertvolle Arbeit für die Entwicklung dieser jungen Menschen und damit für die Zukunft unserer Gesellschaft. Was man aber hin und wieder beobachten kann, ist das Aufblitzen von einzelnen Teilen dieser Darstellung. Das passiert sicherlich nicht mit böser Absicht, sondern ist in gewisser Weise schlicht menschlich. So werden auch wir als FC Englischer Garten im Alltag des Trainings- und Spielbetriebs immer wieder in die Situation kommen, dass wir uns aktiv unserer Vereinsphilosophie bewusst werden müssen. Und genau hierzu soll die obige, überspitzte Beschreibung zur negativen Abgrenzung sowie die Niederschrift unserer Vereinsphilosophie insgesamt als Möglichkeit dienen.

Fußball ist für alle da. Und dennoch spielen noch immer deutlich weniger Mädchen Fußball als Jungen. Das möchten wir ändern.

Der FC Englischer Garten versteht die gezielte Förderung des Mädchenfußballs als festen Bestandteil seiner Vereinsarbeit. Unser Ziel ist es, Mädchen und junge Frauen frühzeitig und niedrigschwellig an den Fußball heranzuführen, sie für diesen Sport zu begeistern und ihnen dieselben Entwicklungs- und Teilhabechancen zu bieten wie ihren männlichen Mitspielern. Dabei geht es uns nicht um getrennte Wege, sondern um echte Chancengleichheit – auf dem Platz, im Training und in der Wahrnehmung.

Wir möchten Mädchen darin bestärken, mutig Fußball zu spielen, Verantwortung auf dem Platz zu übernehmen und ihre eigene Begeisterung sichtbar zu leben. Ob in gemischten Teams oder in eigenen Mädchenmannschaften: Entscheidend ist, dass jedes Kind seinen Platz findet, sich wohlfühlt und gefördert wird. Unsere Trainerinnen und Trainer schaffen eine Atmosphäre, in der Unterschiedlichkeit selbstverständlich ist, Vielfalt als Stärke gilt und sportlicher Ehrgeiz mit gegenseitigem Respekt einhergeht.

Um diesen Anspruch mit Leben zu füllen, setzt der FC Englischer Garten konkrete Maßnahmen um. Wir achten von Beginn an auf Vielfalt und gewinnen bewusst auch Frauen in allen Bereichen des Vereins – als Spielerinnen, Trainerinnen, Betreuerinnen und in der Vereinsorganisation. Im Grundlagenbereich ermöglichen wir bewusst gemischtes Training und gemeinsames Spielen, fördern gleichzeitig aber auch den Aufbau eigener Mädchenangebote und perspektivisch eigener Mädchenmannschaften. Wir machen Mädchenfußball im Viertel sichtbar, kooperieren mit Schulen und Vereinen und schaffen niedrigschwellige Einstiegsformate wie Schnuppertrainings oder offene Mädchentage.

Kurzum: Der FC Englischer Garten steht für aktiven, sichtbaren und gelebten Mädchenfußball – nicht als Symbolik, sondern als klare Haltung und Auftrag unserer Vereinsphilosophie.

Auch Kinder, die aufgrund schwieriger Lebensumstände benachteiligt sind, lieben diesen Sport.

Schließlich ist uns auch die generelle Chancengleichheit von Kindern ein großes Anliegen. Für den FC Englischer Garten ist es eine der größten Ungerechtigkeiten weltweit, aber auch innerhalb Deutschlands und Münchens, wenn die Aussichten von Kindern auf eine gesunde Entwicklung – und damit die Chance, das eigene Leben nach den eigenen Wünschen zu lenken und zu gestalten – noch immer entscheidend davon abhängig ist, in welches Umfeld das jeweilige Kind hineingeboren wird. Konkret für die Teilhabe an einem Fußballverein bedeutet das: Kinder mit engagierten Eltern haben naturgemäß erhebliche Vorteile im Zugang zu einer Vereinsmannschaft. Denn ihre Eltern haben mit ihnen schon von klein auf Fußball auf dem Bolzplatz gespielt und kümmern sich darum, ihnen einen entsprechenden Platz in einer Mannschaft zu organisieren. Kinder, deren Eltern dies aus den unterschiedlichsten Gründen nicht leisten können, spielen noch zu selten in einem Fußballverein, obwohl sie sich dies von Herzen wünschen.

Wir kooperieren aktiv mit den örtlichen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und reservieren intern Plätze in unseren Mannschaften für Kinder, die uns von den jeweiligen Einrichtungen vermittelt werden können. Die dortigen Expertinnen und Experten wissen am besten, welche Kinder besonders profitieren können. Unsere Aufgabe als Verein ist es dann, innerhalb der einzelnen Mannschaften eine Kultur von engagierter Elterngemeinschaft aufzubauen, die alle Kinder herzlich bei sich aufnimmt und unterstützt.

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